Rezensionen

Der Wiesbadener Kurier über unser Konzert am 22.03.2017 im Thalhaus Theater Wiesbaden:

WIESBADEN – Zwei gegen Drei, das kann bei der gleichnamigen Jazz-Formation in vielerlei Hinsicht gedeutet werden. Frauen gegen Männer, Blond gegen Brünett, Jazz-Studium in Hamburg gegen Leipzig. Zum Glück aber stellt das Quintett bei seinem Auftritt im Thalhaus unter Beweis, dass es bei all den gegenläufigen Melodien und Takten seiner anspruchsvollen Kompositionen doch überwiegend zusammen spielt. Und das auf höchstem Niveau, trotz des jungen Alters der Bandmitglieder.

Da besticht beispielsweise der samtweiche Ansatz, mit dem Sonja Beeh ihre Posaune beim Intro zu dem von Pianist Lennart Jahn geschriebenen Stück „Montag Nacht“ zum Klingen bringt. Zusammen mit dem glockigen Sopran von Jule Roßberg, die bei ihren berührenden Gesangspassagen so wie hier oft ganz ohne Worte auskommt, entsteht eine träumerische Stimmung. Dann jedoch übernehmen ihre männlichen Kollegen das Regiment. Lennart Jahn beschränkt sich am Keyboard mal ganz auf rhythmische Elemente, die das druckvolle Spiel von Fabian Misch am Kontrabass und Schlagzeuger Leon Saleh unterstützen.

Während die Jungs rocken, nutzen die Mädels die Gelegenheit, um zu improvisieren. In den kraftvollen Klangarchitekturen, die auf diese Weise entstehen, kann es dann auch mal passieren, dass jeder seiner eigenen Wege geht. Bei der Release-Tournee für das erste Album gelingt es ihnen dabei aber stets, erfrischend zu bleiben und rechtzeitig eine oft überraschende Wendung vorzunehmen, bevor es vielleicht doch zu anstrengend wird. Der Albumtitel „Liquid“ passt daher perfekt zum vorgestellten Repertoire, das ansatzlose Wechsel von Tempo, Rhythmus und Dynamik enthält. Darüberhinaus fließen die Kompositionen ganz selbstverständlich von entspannter Lounge-Atmosphäre zu fieberhafter Hektik, bei der man den Eindruck gewinnen könnte, dass es den Bandmitgliedern gerade unmöglich ist, einen klaren Ausdruck zu finden.

Doch zu diesem Zeitpunkt ist bereits deutlich geworden, dass es sich lediglich um die bildhafte Umsetzung des Themas handelt, das dem Quintett immer wieder exzellent gelingt. Wenn etwa Lennart Jahn auf dem Flügel eine kühle Harmonik erzeugt und Jule Roßberg mit kristallklarer Stimme einen Wintertraum vor dem geistigen Auge des Publikums skizziert, bei dem der Hauch einer Morgenröte bereits angelegt ist. Sonja Beeh bleibt es überlassen mit scharfen Grooves den Sonnenaufgang einzuleiten, der wie ein Wecker auf alle Instrumentalisten wirkt. Plötzlich platzt der Eispanzer und emsige Betriebsamkeit setzt ein. Dabei überrascht Leon Saleh einmal mehr mit seinen minimalistischen Bewegungen aus dem Handgelenk und Fabian Misch überzeugt mit präzise gezupften Läufen. Einzig und allein schade, dass sich die Zahl von Bandmitgliedern zu Publikum an diesem Abend eins zu zwei verhält

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